Sterne des Monats (August)
Russische Grand Opéra
Alexander Dargomyschski (1813-1869), in seiner Heimat als ein Heros der russischen Nationaloper verehrt, als ein Bindeglied zwischen Glinka und Mussorgsky, hat ins deutsche Re per toire noch
keinen Eingang gefunden. Dabei ist seine nach einem Drama Pusch kins entstandene „Russalka“ (1856), die mit Dvoráks gleichnamiger Oper nur wenige Gemeinsamkeiten hat, mit allen Bühnenwassern
gewaschen. Eine Grand Opéra mit italienischen Kantilenen, russischen Volksweisen, schwungvollen Tänzen und großen Chor tableaus. Man hört die Vorbilder durchaus, aber erkennt auch die nationale
Eigenständigkeit, die dann in den Arbeiten des „Mächtigen Häufleins“ zur Vollendung gebracht wurde.
Die vorliegende Produktion des WDR bringt gute Voraussetzungen mit, das Werk auch bei uns heimisch zu machen. Michail Jurowskis Dirigat ist ein beredtes Plädoyer für den unterschätzten Landsmann.
Es zeichnet sich aus durch Liebe zum Detail und schafft zugleich einen großen Spannungsbogen. Zwischen tänzerischer Leichtigkeit und pathetischen Klangentladungen steht dem Or chester eine weite
Ausdruckspalette zur Verfü gung. Die Sänger sind durchweg idiomatisch, überragend im Ensemble ist die Mezzosopranistin Marina Prudenskaja, die als Fürstin nicht nur durch verschwenderische Fülle
des Wohllauts beeindruckt, sondern ebenso durch dramatischen Aus druck und unverfälschte Emotion. Dane ben hat es Evelina Dobraceva in der Titel rolle etwas schwer, da ihr eher lyrischer Sopran
oft an Grenzen gerät. Auch Vsevo lod Grivnovs strahlkräftiger Tenor wird an exponierten Stellen etwas eng. Arutjun Kotchinian gelingen in der Schaljapin-Rolle des Müllers einige schöne Pas sagen,
den Wahnsinn in den beiden letzten Akten nimmt man ihm nicht ab.
Ekkehard Pluta
Musik (4 von 5 Sternen)
Klang (4 von 5 Sternen)
Dargomyschski, Russalka; Evelina Dobraceva, Arutjun Kotchinian, Vsevolod Grivnov, Marina Prudenskaja, Elena Bry leva, Andrey Telegin, Martha Jurowski, WDRRundfunkchor, WDR-Rundfunk orchester,
Michail Jurowski (2008); Profil/Naxos 3 CD 881488902457 (166’)
Mittwoch, 18. August 2010