Die Streicher waren gestrichen
Das WDR Rundfunkorchester spielt beim Benefizkonzert des Lions-Clubs in der Rhein-Sieg-Halle (Susanne Haase-Mühlbauer, 21.03.2010)
SIEGBURG. Zugegeben, was das WDR-Rundfunkorchester unter Leitung von Michael Schmidt beim Benefizkonzert des Lions-Clubs in der Rhein-Sieg-Halle zu bieten hatte, war alles andere als gängige Musik. Da standen - mit Ausnahme eines Kontrabasses und einer Harfe - ausschließlich Bläser und Schlagzeuger auf der Bühne. Sie boten symphonische Blasmusik aus den Federn so bekannter Komponisten wie Schostakowitsch, Reed, Barnes oder Bernstein.
Die Handschrift jedes einzelnen der zwölf Komponisten, deren Werke die WDR-Musiker interpretierten, ist verschieden. Eines jedoch war in diesem Programm der gemeinsame Nenner: Die Streicher waren gestrichen. Die Bläser des Eliteorchesters mussten für dieses Spezial-Programm sogar verdoppelt werden. Und sie wurden dazu aus anderen Orchestern hinzugezogen. Die Besetzung, mit der sich das WDR-Rundfunkorchester dem Siegburger Publikum darstellte, erinnerte ein wenig an Militärkapellen. Und dieser Vergleich ist auch gar nicht so weit ab. Denn schließlich waren es gerade solche Kapellen, die einst durch die Dörfer zogen und auf Marktplätzen in ihren eigenen, eben streicherlosen Besetzungen das spielten, was auf Opern- und Operettenbühnen von ganzen Orchestern aufgeführt wurde. Damals konnte das breite Publikum noch nicht durch Radio- oder CD- Aufnahmen erreicht werden.
Die Übertragungen auf die Besetzung von Militärkapellen, sogenannte "Harmoniemusiken", hatten vermittelnde Funktion und stellen neben ihrem eigenen, klanglichen Reiz auch völlig neue Ansprüche an die spielerischen Möglichkeiten eines Blasorchesters. So wurden diese Harmoniemusiken zu Vorläufern für die dann eigens entstandene sinfonische Blasmusik. Das WDR-Rundfunkorchester machte sich auf die Suche nach sinfonischen Werken in dieser Spezialbesetzung und wurde fündig.
Das Ergebnis: Ein geradezu umwerfendes Klangerlebnis, das die Musiker mit der "Symphonie Ouvertüre" (op. 80)  von James Barnes, der Konzertouvertüre "Slava" von Leonard Bernstein oder der berauschenden "Belle of the Ball" von Leroy Anderson zu bieten hatten. Die Reinheit der Intonation aus den Reihen der Blechbläser und die exakten Tempi, die Schmidt mit viel Esprit und einer geradezu mitreißenden Musizierfreude von seinen Musikern einforderte, machten den Auftritt zu einem ganz speziellen Hörerlebnis. Das wurde zum Beschluss des ersten Programmteils mit einer solistischen Streicher-Ausnahme gekrönt. Hier brillierte Oliver Wenhold zusammen mit dem Rundfunkorchester als Solo-Cellist mit dem Konzert für Cello und Blasorchester von Gunda.
Als fachkundiger und humorvoller Moderator führte Winfried Fechner durch das Programm, das vom Lions-Club Siegburg veranstaltet wurde. Der Lions-Club bereichert das Siegburger Kulturprogramm traditionell mit zwei Konzerten im Jahr - einer Soiree auf dem Michaelsberg und einem Adventskonzert mit dem Kölner Domchor in der Anno-Kirche.
"Mit unseren Erlösen aus den Benefizkonzerten und einem großen Spendenaufkommen erhalten wir für die Unterstützung von Sozial-Projekten in Siegburg und Umgebung im Jugend- und Senioren-Bereich zwischen 25000 und 40000 Euro im Jahr", sagt Hans Rank von den Siegurger Lions. Der Erlös des Konzerts kommt der Behindertenarbeit der evangelischen Kirche an Sieg und Rhein zugute.

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